Belgisches Comic-Zentrum
Zandstraat 20 rue des sables
1000 Brüssel
Tel. : + 32 (0)2 219 19 80
Fax : + 32 (0)2 219 23 76
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Das belgische Comic-Zentrum weiß den Wert seines anspruchsvollen Rahmens zu schätzen, ein prächtiges Jugendstil-Kaufhaus von dem Architekten Victor Horta entworfen. Eröffnet im Jahre 1906 beherbergte das Gebäude früher das Warenhaus des Textil-Großhändlers Charles Waucquez. Diese Epoche (Ende des 19./Beginn des 20.Jahrhunderts) fällt mit dem Beginn des modernen Comics zusammen.
Die Herrschaft von Léopold II (1867-1909) war für Belgien eine einzigartige Blütezeit. Die Menschen waren bewegt von der großen städtebaulichen Umstrukturierung der Hauptstadt und alle künstlerischen Disziplinen wurden von außergewöhnlicher Kreativität und Gedeihen durchdrungen… in Brüssel kreuzten sich die modernsten intellektuellen und künstlerischen Ströme.
In Europa und über die Meere hinaus waren große Hoffnungen in den technischen und industriellen Fortschritt gesetzt worden. In der Baubranche ermöglichten neue Produktionstechniken den Bau von ausgedehnten Flächen aus Eisen und Glas, die das Tageslicht hineinließen. Gusspfeiler ersetzten nach und nach die tragenden Wände, um die Fassaden auseinanderzuziehen und das Licht in die inneren Räume fließen zu lassen.
Die Architektur machte sich zu einer Revolution bereit! Das Bürgerhaus, typisch für das Brüsseler Wohnwesen, wird zum idealen Prüfstein für eine neue ästhetische Tendenz, welche durch das Wirken einer kleinen Künstlergruppe und von Unternehmern und Intellektuellen entsteht, die das gleiche progressive Ideal miteinander verbindet.
Im Jahr 1893 gipfelten die zahlreichen und innovativen Experimente im Bau des Hotel Tassel. Mit dem Hotel Tassel schuf Victor Horta ein wahres Manifest des Jugendstils (Art Nouveau). Paul Hankar baute sein Privathaus in der Rue Defacqz in St.Gilles und Henri van de Velde schrieb Déblaiement d'art. Die gänzlich neue dekorative Ausdrucksform, die sie gerade erfunden hatten, wurde in ganz Europa aufgenommen bis zum Morgengrauen des Ersten Weltkrieges.
Der Jugendstil (Art Nouveau) besteht darin, die neuen Industriewerkstoffe in die Haus- und Stadtarchitektur zu integrieren, mit dem festen Willen, der modernen Welt ein harmonisches Gesicht mit Arabesken, Symbolen von Femininität und Kraft zu verleihen. Mit der Jahrhundertwende wurde der Jugendstil zu einer Modeerscheinung. Innerhalb von kurzer Zeit bemächtigte sich dieser Stil zahlreicher Fassaden und Brüssel wurde zu einem Ort an dem sich dieser Stil – verglichen mit anderen europäischen Städten - bevorzugt entwickelte. Bei Einfamilienhäusern, die oft nur wenige Meter breit sind, lag der Nachdruck auf einer dekorativen Fassade. Ein gutes Beispiel ist das Cauchie Haus.
In Brüssel wurde der Jugendstil ebenfalls für den Bau großer Kaufhäuser angewandt, insbesondere sind zu nennen: A l' Innovation (Horta, 1900), Les Magasins Waucquez (Horta, 1906, das zukünftige Belgische Comic-Zentrum) oder das Old England (P.Saintenoy, 1899, das zukünftige Musikinstrumentenmuseum).
Im Jahre 1975 gelang es Architekt Jean Delhaye, der ein Schüler und ein Mitarbeiter von Victor Horta gewesen war, die Aufmerksamkeit der Obrigkeit auf Les Magasins Waucquez zu lenken, ein Meisterwerk, welches inzwischen in Gefahr geraten war. Dank seiner Intervention wurde das Bauwerk unter Denkmalschutz gestellt. Im Anschluss wurde es wichtig, eine Umnutzung für das Gebäude zu finden, welche die Architektur genügend würdigt und auch Mittel für die Renovierung aufzutreiben!
Aufgrund der Initiative die sich sowohl für Städtebau (Jean Breydel) als auch für Comics (Guy Dessicy) einsetzten, kaufte im Jahr 1983 der belgische Minister für öffentliche Arbeiten das Gebäude mit dem Ziel, die Mittel zu finden, um es dem Comic zu widmen. Im Jahre 1984 wurde die Gesellschaft ohne Erwerbszweck: Belgisches Comic-Zentrum gegründet. Der erste Präsident dieser Gesellschaft war Bob de Moor, ein illustrer Gefährte von Hergé, der das Projekt von Anfang an begleitet hatte.
Die Zielsetzungen der Gesellschaft werden einfach sein: Comics fördern und das architektonische Meisterwerk schützen, das die Comics aufnimmt.
Am 24. April 1986 wurde in dem Gebäude offiziell das Projekt in Form eines Happenings lanciert, an dem die große Familie der Autoren teilnahm. Nach langer Lobbyismusarbeit, mit den schönsten Erinnerungen an ein Mittagessen im Palais Royal für zwanzig große Comic-Autoren und einem abendlichen Happening, zu dem sich die ganze belgische Comic-Szene, inklusive Gründer und dem belgischen Minister für öffentliche Arbeiten gesellten, wurde das Bauwerk schließlich den Restaurateuren der staatlichen Gebäudeverwaltung (1987) überreicht, vertreten von dem Architekten Christian Lelubre.
Mit größter Rücksicht auf Hortas Werk widmete sich der Architekt Pierre Van Assche der Aufgabe, die Pläne für die Restaurierungsarbeiten zu zeichnen. Aus der Ruine wurde wieder pure Magie. Etwa zwanzig Jahre sind seit der Eröffnung des Belgischen Comic-Zentrums am 6. Oktober 1989 vergangen. Zwanzig Jahre im Dienst des Comics und des Jugendstils. Zwanzig Jahre um die Fäden zwischen den Comic-Schöpfern und der Öffentlichkeit zu knüpfen.
Der Sohn eines Schusters aus Gent verehrte die Musik; dieses konnte jedoch nicht verhindern, dass er im Alter von zwölf Jahren vom Konservatorium wegen Ungehorsam verwiesen wurde. Anschließend studierte er Architektur an der Akademie von Gent und erhielt seine erste Medaille im Alter von fünfzehn Jahren. Zwei Jahre später ging er nach Paris, wo er über ein Jahr in der Werkstatt des Maler-Dekorateurs Jules Dubuysson wohnte. In sein Land zurückgekehrt wurde er Schüler des Architekten Balat (die Gewächshäuser von Laeken), und gewann von Anfang an weitere Preise.
1885 baute er seine ersten Häuser. Doch erst mit dem Haus Tassel (1893), sollte die ganze Originalität von Victor Horta ans Licht kommen: er erfindet eine gänzlich neue Sprache der Dekoration, die in ganz Europa bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs übernommen werden sollte.
Ein Meisterwerk folgt aufs andere: das Haus Solvay (1898), das Volkshaus (1899), sein Privathaus (heute: das Hortamuseum (1901)), das Kaufhaus A l’Innovation (1903)…Les magasins Waucquez (1906); mit diesem war der Architekt auf dem Höhepunkt seines Schaffens war. Mit Ruhm überladen wird Victor Horta im Jahre 1932 der Titel des Barons verliehen.
Das Autrique-Haus, das erste von Victor Horta entworfene Privathaus, wird von Francois Schuiten und Benoît Peeters vollkommen neu eingerichtet und stellt ein gelungenes Beispiel für das traditionelle Brüsseler Habitat aus Hortas Schaffenszeit dar (1893). www.autrique.be
Als kultureller Botschafter bietet das Belgische Comic-Zentrum Ausstellungen, Konferenzen, Workshops, Ratschläge… auf allen Kontinenten. Die Erfahrung auf verschiedenen Gebieten, die mit ihren Aktivitäten zusammenhängen (Comics, Architektur, Museen, Tourismus, Dokumentation), führte dazu, dass das Belgische Comic-Zentrum zu einem fachmännischen Berater bei verschiedenen belgischen und ausländischen Projektträgern wurde.